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Dr. Ursula Lengauer

Fußball spielen

Lengauer Ursula am 15.12.2007
Sa 15
Dez
Beim Workshop am 12. 12. ist mir an der begeisterten Reaktion einer ganzen Gruppe von Frauen zum ersten Mal klar geworden, dass einer meiner üblichen Tipps, die ich im Einzelcoaching für Frauenkarrieren einsetze, offenbar mehrheitsfähig ist. Also dann, ins Netz damit:

Gehen wir davon aus, dass das Organisations- und Wirtschaftsleben nach wie vor nach 'männlichen' Regeln funktioniert. (Es dauert eben, bis Supertanker auf Lenkmanöver reagieren.) Es macht daher Sinn, wenn Frauen sich die jetzt herrschenden Regeln anssehen. Es ist wie das Lernen einer Fremdsprache, damit wir uns in fremden Ländern leichter zurechtfinden. Je mehr Einfluss wir gewinnen - also je schneller Frauen Chefinnen werden -, desto eher können wir die Regeln in unserem Einflussbereich unseren Bedürfnissen anpassen.

Ich finde, die Welt der Karriere funktioniert derzeit wie Fußball. Ein paar Grundregeln aus dem Fußball sind für Frauenkarrieren äußerst förderlich. Vor allem, weil Frauen immer fair sein wollen, schaden sie sich nämlich enorm auf dem Spielfeld des Arbeitslebens.

Um in der Fußballmetapher zu bleiben: Frauen halten sich brav an die Regeln. Dann sind sie bestürzt und gekränkt, dass sie gefoult werden. In neun von zehn Fällen zieht die gefoulte Frau sich zurück und leckt ungesehen ihre Wunden. Und schon ist sie im Karriere-Abseits.

Wenn wir aber mal beim Fußball zusehen, - wozu wir ab Juni bei der EM allerorten verstärkt Gelegenheit haben werden -, erkennen wir, dass wir uns, wenn wir gefoult werden, ächzend und dramatisch auf dem Spielfeld wälzen müssen. Am besten so dramatisch, dass der Schiedsrichter herbeiläuft und die Gelbe Karte zückt. (Jedenfalls aber merkbar, denn das Foul an uns bringt ja unserer Mannschaft einen Freistoß aufs gegnerische Tor.)

Dann stehen wir auf, und spielen - vielleicht nach kurzer Verarztung - ohne Groll (!!!) weiter.

Und: sinnvoller Weise begehen wir auch selber das eine oder andere Foul, schließlich braucht es zwei Gelbe Karten, bevor ein Spieler die Rote Karte sieht. Das bedeutet, dass Fouls zum Spiel gehören, und dass es ganz gut ist, sich dadurch immer wieder mal Respekt zu verschaffen. Frau kann's ja dosieren, um nicht zuviele Schuldgefühle zu bekommen. Außerdem, siehe reales Fußball: der gefoult hat, kommt ja nach Kurzem gelaufen und klopft seinem Opfer entschuldigend/versöhnlich/evtl. auch leicht widerstrebend, auf die Schulter, bekommt einen Handschlag. Die Arbeitsbeziehung ist wieder hergestellt, das Spiel geht weiter.

Gezielt Foulen, also einen Regelverstoß begehen, ist in Organisationen immer noch ein guter Weg, auf sich aufmerksam zu machen. Damit läßt sich im Karrierespiel unserer Institutionen strategisch punkten. Und es macht Spaß.

Jedoch, liebe Frauen, meiner Erfahrung nach treten wir, einmal entfesselt, ganz ordentlich zu, - vermutlich mit der aufgestauten Wut von ein paar Tausend Jahren Patriarchat im Bauch. Also bitte, die Wirkung (von Stöckelschuhen) nicht unterschätzen...
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