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Bad Medicine: Doctors Doing Harm Since Hippocrates
von David Wootton
Paperback
Edition: 1
Publisher: OUP Oxford
Year of publication: 2007
ISBN: 0199212791
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Kommentare und Bewertungen zu diesem Buch


Viktor Frankl war beides: Auf der einen Seite ein profunder Arzt, Psychiater, promovierter Psychologe. Auf der anderen Seite auch ein philosophisch geschulter Mensch, der stets das Optimum für seine Patienten erreichen wollte.
Was hat nun das Buch von David WOOTON,einem Professor für Geschichte an der Universität von YORK mit Psychotherapie zu tun?

WOOTON geht es darum, zwischen dem philosophischen ethos der frühen Heiler (HIPPOKRATES, GALEN) und ihrer tatsächlichen EFFIZIENZ, also wirklich zu heilen, zu differenzieren.
Ganz eindringlich stellt er dar, dass anatomische Kenntnisse (Aufbau des menschlichen Körpers) bis in die Renaissance (hier ist vor allem das bahnbrechende Werk von VESALIUS- DE HUMANI CORPORE FABRICA hervorzuheben) höchst mangelhaft war.
Erst die naturwissenschftliche Methode vermochte die vormals philosophische These, dass Wahnrehmung die Anpassung des Verstandes an die Wirklichkeit sei (ARISTOTELES) zu verifizieren. Im Bereich der Physiologie brauchte es dann noch weit länger bis der Blutkreislauf entdeckt wurde(HARVEY) oder bis Ursachen von Infektionskrankheiten gefunden (PASTEUR, VIRCHOW, FLEMING) und Behandlungsmethoden entwickelt werden konnten.

WOOTON versteht es verständlich darzustellen, dass die medizinische Ethik des Heilens über viele Jahrhunderte durch Mangel an Wissen nicht in die Wirklichkeit umgesetzt werden konnte, vor allem, dass in vielen Fällen sogar im Widerspruch zum alten medizinischen Grundsatz des primum nihil nocere (zumindest niemandem zu schaden) gehandelt wurde.
Von Medizinern wurde das Buch zum Großteil begeistert aufgegriffen, da die naturwissenschftliche Fundierung der Medizin heute außer Frage steht.

Von seiten seiner Historikerkollegen musste er sich den Vorwurf gefallen lassen, er projiziere ethische Urteile, die wir aufgrund unseres Wissens haben, in die Vergangenheit. Doch dieser Vorwurf lässt sich leicht entkräften: WOOTON spricht sich nicht gegen die Ethik des Arztes aus, wie er im hippokratischen Eid aufscheint, sein Buch ist vielmehr ein flammender Appell, das fortschreitende Wissen über die menschliche Natur vernünftig und ethisch einzusetzen. Er kritisiert die unzureichenden Methoden der Erkenntnis und der Therapie.

Vor allem verkennt die Kritik die Unterscheidung zwischen Intention und Methode. Methoden müssen entsprechend der Intention ständig an den neuesten Stand des wissens angepasst werden um ein Ziel optimal erreichen zu können. In diesem Sinne kann ex post natürlich Kritik an unzureichenden Methoden geübt werden, denn diese Kritik ist sogar die Bedingung deer Möglichkeit der Verbesserung therapeutischen Handelns.

Dieses Buch ist sicherlich auch eine Herausforderung für die Psychotherapie und Psychotherapieforschung. Auch die Psychotherapie wird im Verbund mit Medizin, Soziologie und Psychologie nachzuweisen haben, wie ihre direkten und indirekten Interventionen im somatischem, psychischen und geistigen Bereich wirken und vor allem wie diese Fortschritte auch quantifizierbar, messbar und darstellbar sind.

Die Existenzanalyse und Logotherapie hat ein ganzheitliches und dennoch hoch differenziertes Menschenbild-. FRANKL meinte einmal sinngemäß, es gelte in der Psychotherapie nicht, dem Menschen eine Ideologie zu indoktrinieren, sondern ihn vor eine Freiheit, Geistigkeit und Verantwortlichkeit zu stellen- was läge demnach näher, ihre Wirksamkeit nicht auch empirisch zu validieren?

Es ist gerade im Sinne FRANKLS Somatotherapie, Psychotherpie, und natürlich ganz speziell LOGOTHERAPIE auf solide empirische Fundamente zu stellen.
Dr. Martin Vogelhuber





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